ARBEITSTITEL : Diverse Features. Ausgabe 1, Februar 2001.

Ein gutes Beispiel für Zivilcourage zeigten die Leute von Altona an einem Samstag im Juli 2000:

Das Vorspiel:

Vormittags, an einem geschäftigen ersten Juli,  parkte ein olivgrüner VW Bus aus Leipzig vor der Altonaer Post.  In der Fussgängerzone Große Bergstraße bauten drei NPD-Aktivisten einen Infostand auf und verteielten Hass-Propaganda. Innerhalb einer Stunde zerstörten zornige Punker,  “Autonome” und Jugendliche aus Altona und Ottensen Infostand und VWBus.


Samstag, 08. Juli 2000 : Die NPD und bekannte Hamburger Nazi-Demagogen wollen eine ordentlich angemeldete Demonstration in der Altonaer Altstadt durchführen. Der Demonstrationszug, zu dem sich über einhundertfünfzig Neo-Nazis auf dem Platz der Republik versammeln, soll über die Palmaille Richtung Fischmarkt marschieren. Ein Großaufgebot von über zweitausend Polizisten und BGS-Beamten aus verschiedenen Bundesländern versucht die “Demonstration” durchzusetzen.

Zahlreiche gesellschaftliche Gruppen hatten zu einer Gegendemonstration aufgerufen. Die Marschroute ist von der Polizei weiträumig abgesperrt, zahlreiche Gegendemonstranten werden am Altonaer Bahnhof festgesetzt, wo sie eine Kundgebung abhalten. Etwa 80 Personen werden nach einer Rangelei festgenommen. Trotz der Absperrungen gelingt es  ca. fünfhundert ortskundigen Bürgern, die Palmaille auf ganzer Breite zu blockieren.

Wasserwerfer und Räumgerät werden in Stellung gebracht, die Gegendemonstration wird, unter der Androhung “leichter körperlicher Gewalt” und des Einsatzes von Wasserwerfern, mehrmals aufgefordert sich aufzulösen und zum Fischmarkt zu ziehen.

Um 13:20 Uhr erfolgt die dritte und letzte Warnung :

Die Leute bleiben standhaft, die Polizei verzichtet auf körperliche Gewalt gegen die Menschen. Die Neonazis werden im Laufschritt zum S-Bahnhof Königstrasse gebracht. Ein Sonderzug des HVV bringt die Soziopathen in die Kreisstadt Pinneberg, wo ihre Autos stehen.